Die Leichtigkeit des Könnens

Die Sebastian-Müller-Band (v. l.): Georg Schmitt, Karin Peters, Jonas Spieker, Clara Fabian, Sebastian Müller, Anna Borsdorf, Dominik Hummel, Christian Jung und Anton Langer.

2013 gründete Sebastian Müller die Sebastian-Müller-Band. Der erste bedeutende Fortschritt stellte sich 2014 ein – mit dem Förderpreis „Junge Kunst“ der Volksbank Paderborn- Höxter-Detmold-Stiftung.

Am besten wäre es, wenn alles so bleibt“, erklärt Sebastian Müller auf die Frage, was er nach seinem Tonmeisterstudium an der Hochschule für Musik Detmold machen möchte, zufrieden. Auch wenn er den Fortschritt liebt – der 26-jährige „Bachelor of Music“ genießt den Moment. Gerade schreibt er an seiner Masterarbeit und darf sich bald schon „Master of Music“ nennen.

„Eigentlich ist die Band aus einer Laune heraus entstanden“, erzählt der junge Musiker lachend. Seit dem zwölften Lebensjahr hat er in verschiedenen Bands in seiner Heimatstadt Alzey bei Mainz Klavier gespielt. „Nach dem Abitur hatte ich Lust, etwas mit Musik zu machen. Eher zufällig las ich im Internet von dem Tonmeisterstudium.“ Müller bewarb sich und bestand. 2008 begann er sein Studium in Detmold. Das Musikmachen blieb zunächst auf der Strecke. Im Herbst 2013 stellte er eine neue Band zusammen: Studierende der Musikhochschule – Sänger, Bläser und eine Rhythmusgruppe. „Das Schöne bei uns ist, dass es kein Müssen, sondern nur ein Können gibt“, sagt Sebastian Müller. „Das macht alles leichter.“

Die Ideen für seine Stücke kommen eher zufällig. Manchmal auch mitten in einer Unterhaltung. Die unterbricht er dann, um seine Gedanken auf Papier zu bringen oder am Klavier auszuprobieren: „Dann kann es sein, dass ich die ganze Nacht arbeite und ein Stück, über das ich vorher tagelang gegrübelt habe, morgens fertig ist.“ Aber nicht immer entstehen neue Ideen oder Lieder einfach nebenher. Eine Band mache da vieles leichter, meint Müller. „Man motiviert sich gegenseitig, hat gemeinsam einen schönen Auftritt, nimmt zusammen Stücke auf. Das ist ein super Gefühl.“

Mit Fortschritt verbindet Sebastian Müller ausschließlich Positives. Veränderungen gehören für ihn zum Leben. „Mir ist es wichtig, Sachen zu machen, die mir am Herzen liegen. Wenn man damit noch Geld verdienen kann, wäre das toll.“ Seinen Lebensunterhalt finanziert Sebastian Müller zurzeit mit ganz unterschiedlichen  Projekten. Er spielt in mehreren Bands, schreibt für einen Musikverlag Liederbücher, arrangiert Stücke für andere Musiker, nimmt Musikstücke auf oder mischt diese ab und produziert CD's. Besonders liebt er die Vielseitigkeit dabei: „Anstrengend, aber schön.“

Für später kann er sich vorstellen, mit einer Band auf Tournee zu gehen. Oder aber auch in einem Tonstudio zu arbeiten und Künstler aufzunehmen. „Das ist keine leichte Branche. Es gehört viel Glück dazu, den richtigen Nerv beim Publikum zu treffen. Mein Ziel ist es aber nicht, berühmt zu werden. Reich wäre schön“, scherzt Müller.

Durch den Förderpreis „Junge Kunst“ hat die Sebastian-Müller-Band nicht nur in der Öffentlichkeit an Aufmerksamkeit gewonnen. Auch Folgeprojekte sind entstanden. So ist in diesem Jahr unter anderem ein Konzert mit der Big Band der Hochschule für Musik geplant sowie eine Weihnachts-CD zusammen mit dem Chor Pop-Up für die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold.

Zudem sei die Band durch die Auszeichnung der Volksbank-Stiftung noch weiter zusammengewachsen und habe sich auch qualitativ verbessert. Sebastian Müller sieht das entspannt. „Diese Art des Fortschritts kann man erst über einen längeren Zeitraum erkennen. Er geschieht automatisch, indem man sich immer wieder in Frage stellt, Neues kreiert und sich verändert.“ Ein schöner Nebeneffekt sei es, dass sich der Stellenwert der Band bei den Mitgliedern positiv verändert habe: „Heute sind die Mitglieder eher bereit, auch einmal Termine zu verschieben oder ausfallen zu lassen, wenn wir proben wollen. Das war nicht immer der Fall.“

Erst vor wenigen Wochen konnte Sebastian Müller mit seiner Band weitere vier Songs auf CD aufnehmen. „Dies wäre ohne den Förderpreis ‚Junge Kunst‘ nicht machbar gewesen“, freut sich der Musiker. „Gerade in der heutigen Zeit machen viele Leute  Musik und es wird immer schwieriger, sich zu finanzieren. Daher ist der Förderpreis heute fortschrittlicher als vielleicht noch vor 20 Jahren.“ Für die Zukunft wünscht sich Sebastian Müller, dass die Menschen „weniger perfektionistisch“ an die Musik herangehen. Die kommerzielle Musikbranche verspreche immer einen tadellosen Klang und beste Qualität. „Aber das ist nicht die Realität.“ Für ein Konzert der Rolling Stones werde viel Geld ausgegeben, aber für eine noch unbekannte Band von nebenan seien meistens schon fünf Euro Eintritt zu viel. „Hoffentlich wird sich das einmal wieder ändern“, sagt Sebastian Müller. Das wäre dann für mich persönlich ein großer Fortschritt.“