Highfashion made in Holzminden

Johanna Wennemann, Preisträgerin in der Kategorie „Modedesign“.

Johanna Wennemann ist eine der Preisträgerinnen des Förderpreises „ Junge Kunst“ 2011 der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold-Stiftung. In der Kategorie Modedesign überzeugte sie nicht nur die Jury aus Paderborn. Auf dem Weg zu den Modenschauen dieser Welt …

Kann ein Abend an der Nähmaschine entspannend sein? Sind Regentropfen auf dem Asphalt inspirierend? Können auffällige Farbkombinationen, Muster oder Stoffe die Kreativität wecken? Bei der jungen Designerin Johanna Wennemann aus Holzminden schon. Wenn ihr etwas Besonderes auffällt, macht sie ein Foto davon und nutzt die Idee später für ihre Entwürfe.

In Sachen Mode ganz vorne mitzumischen, ist Johannas großer Traum. Deshalb studierte sie in Berlin an der Internationalen Kunsthochschule für Mode „Esmod“ Modedesign. Wer dort seinen Abschluss macht, lernt das harte Leben eines Designers von der Pike auf kennen. Nach einem dreijährigen Studium stellen die Studenten bei einer Abschlussmodenschau ihre Kollektion einer hochkarätigen Jury vor. Bei der Präsentation geht es für die Studenten zum ersten Mal nicht um Fleiß oder um das Bestehen eines Tests. Was zählt, ist, ob die Kleidung gefällt, ob sie einen Reiz auslöst und ob die Verarbeitung stimmt. Johanna konnte die Jury überzeugen. Sie erhielt einen der begehrten drei Preise der Jahrgangsbesten für ihre Kollektion, den „Prix Créateur“.

Schon sehr früh, so erklärt die junge Frau, stand für sie fest, Designerin zu werden. Dabei habe die Nähmaschine ihrer Großeltern, an der sie schon als Kind übte, eine entscheidende Rolle gespielt. „Bei den Versuchen sind einige Gardinen als Probestoffe draufgegangen“, erzählt die 24-Jährige. Die Bestätigung durch ihre Familie gab ihr den nötigen Mut, sich dem Modedesign zu verschreiben.

So unbeständig wie die Mode ist auch die Modebranche, versichert Johanna Wennemann. Die Arbeitszeiten sind je nach Designphase völlig flexibel. Vor Shows wird auch gerne einmal bis fünf Uhr morgens gearbeitet, um die Outfits fertigzustellen. Es ist ein Traumberuf, der sich nicht immer an die Traumvorstellungen hält.

„Das Bild von einem schönen großen Atelier, in dem man ein paar Kleidungsstücke auf eine Figurine malt, damit sie im nächsten Schritt jemand näht und am Ende ein neues Kleid herauskommt, gibt es in der Realität nicht“, sagt Johanna Wennemann. Zeichnungen werden meistens am Computer erstellt, damit sie genau sind und die Produktion alles erkennen kann. Dabei muss jedes noch so kleine Detail beschrieben und mit Stoffproben versehen werden. Flexibilität und Ausdauer sind wichtige Voraussetzungen für den Beruf. Und kritikfähig sollte man sein, denn nur so könne der Kunde optimal zufrieden gestellt werden, erklärt die junge Frau. „Es sei denn, man heißt Jean Paul Gaultier und macht Couture-Kleider.“

Während ihrer Ausbildung lernte sie die Modewelt bereits hautnah durch zwei Auslandspraktika in New York und Paris kennen. Und sie gewann bei einem Kreativ-Wettbewerb für professionelle Fashion Designer in Peking 2011 die Bronzemedaille. Johanna war die einzige Deutsche unter 28 Finalisten aus fünf Ländern.

Johannas großes Vorbild ist Karl Lagerfeld. Dennoch versucht sie, sich von den Modetrends abzusetzen und etwas Neues zu machen. „Sachen, die man vielleicht noch nicht so gesehen hat und die auf jeden Fall tragbar sind.“ Ihren Modestil beschreibt sie eher als „schlicht, aber ausgefallen“. Bestechen soll er durch Details und die Schnittführung. Schöne hochwertige Materialien – Seide, Wolle, aber auch Leder und Pelz – finden sich in ihren Werken wieder. „Ich setze sehr auf Qualität, da diese sich meistens auch auszahlt“, sagt Johanna. Erwerben kann man ihre Mode derzeit noch nicht. „Wer etwas aus meiner aktuellen Kollektion kaufen möchte, sollte sich einfach bei mir melden. Mal sehen, was sich da machen lässt“, verrät uns die junge Designerin. Zurzeit arbeitet Johanna Wennemann noch aushilfsweise bei Peek & Cloppenburg in Berlin am Kudamm. Neue Aussichten hat sie fest im Blick: Die gebürtige Holzmindenerin hat bereits einen Job als Designassistentin bei Gerry Weber in Halle in der Tasche und freut sich darauf, zurück in die Heimat zu kommen. Sobald sie genügend Berufserfahrung gesammelt und etwas Geld gespart hat, möchte sie ihr eigenes Label entwerfen.

Großstädte wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München sind bereits unbestrittene Modemetropolen in Deutschland. Sie bieten kreativen Köpfen ausreichend Platz für modische Experimente. Aber wer weiß, vielleicht heißt es durch Johanna Wennemann irgendwann einmal: Mode „made in OWL“ oder besser: Mode „made in Holzminden.“