Über sich hinauswachsen

Überzeugte in der Kategorie „Bildhauerei“: Christian Kockhans

Christian Kockhans gewann 2012 einen der vier Förderpreise „Junge Kunst“ der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold-Stiftung. In der Kategorie „Bildhauerei“ überzeugte er die Jury insbesondere mit seinen Skulpturen aus Gips. Was Wachstum für den angehenden Kunstlehrer bedeutet, wie Wachstum sein Leben geprägt hat und wie er es schafft, immer wieder über sich hinauszuwachsen ...

„Sich stets weiterentwickeln und nicht aufhören, sich etwas zuzutrauen“, so bringt Christian Kockhans seine persönliche „Wachstumsphilosophie“ auf den Punkt. Der 27-jährige Lehramtsanwärter für Kunst und Spanisch, der aktuell sein Referendariat am Detmolder Grabbe-Gymnasium absolviert, hat seine eigenen Vorstellungen vom Wachsen: „Wachstum bedeutet, über sich hinauszuwachsen, sich geistig zu entfalten und neue Inspirationen zu suchen.“

Eigene Faszination weitergeben

Kockhans weiß genau, was dies bedeutet. Dass er einmal als Lehrer arbeiten würde, sei dem früheren Realschüler nicht in den Sinn gekommen. Im Laufe der Zeit habe er gelernt, sich immer weiter zu verwirklichen. Diese Einstellung ermöglichte ihm auch den Übergang von der Realschule auf das Gymnasium, um später Lehramt an der Universität Paderborn zu studieren. Mit seinem stetigen Interesse, sich neuen Herausforderungen zu stellen, wagte er es, direkt nach dem Abitur als Zivildienstleistender für ein Jahr nach Mexiko zu gehen. Ein für ihn prägendes Jahr, in dem er mit Jugendlichen arbeitete, verschiedene Sprachkurse leitete und mit Kindern in einer „Kreativgruppe“ tätig war. „Das war mehr eine Bastelgruppe“, meint er im Rückblick, aber darum ging es ihm in diesem Selbstfindungsjahr nicht. Danach gefragt, weshalb er Kunst auf Lehramt studiert hat, antwortet er sehr überzeugend: „Das Ideal, von Kunst alleine zu leben, gab es sicher bei mir auch einmal. Aber Kunst an einer Schule zu vermitteln, die eigene Faszination weiterzugeben, das hat einen ganz besonderen Reiz.“ Mexiko hat seinen Beitrag dazu geleistet. Durch die dortige Arbeit mit Kindern entwickelte sich sein Wunsch, selbst zu unterrichten – und was lag da näher, als die Fächer Kunst und Spanisch auf Lehramt zu studieren.

Von der Kunst leben zu müssen, stellt er sich nicht einfach vor. „Wenn man immer auf das eigene Schaffen angewiesen ist, wenn man nur herstellen muss, damit man ausstellen und verkaufen kann, das würde mich nicht ausfüllen“, sagt er. Schon von frühester Kindheit an interessierte sich Kockhans für Kunst. Zuerst war es das Malen und später auf dem Gymnasium wählte er Kunst als Leistungskurs. Als er einen Preis für das beste Bild seines Abiturjahrgangs erhielt, bestärkte ihn dies in seinem künstlerischen Arbeiten. Für seine Ausstellung bei der fachpraktischen Examensprüfung
in Kunst an der Universität Paderborn erhielt er die Bestnote. Und 2012 gewann er mit seinen Plastiken aus Gips und Kunststoff den Förderpreis „Junge Kunst“.

Mit Kunst gemeinsam wachsen

Seine Inspiration findet der junge Künstler in Kunstausstellungen und Museen. Auch eigene Werke inspirieren ihn zu weiteren Auseinandersetzungen. Neue Impulse bekommt er zudem in seiner Freizeit, wenn er sich zum Beispiel mit Freunden trifft und sie über künstlerische Prozesse diskutieren. Wenn Kockhans sich seiner Kunst widmet, liegt sein Fokus ganz auf dem Werk. Er genießt den Moment, wenn er eins ist mit sich und seiner Kunst und beide gemeinsam wachsen. „Wenn ich viel Raum im Kopf habe, dann kommen mir die besten Ideen“, sagt er. Doch momentan ist dafür keine Zeit. Seine Ideen hält er daher in Skizzen fest und sammelt sie für später. Sein nächstes Ziel ist es erst einmal, sich beruflich zu etablieren, Fuß zu fassen und anzukommen. Kockhans will ein kompetenter Lehrer sein. Und auch davon hat er sein eigenes Verständnis: „Man muss sich auf die Menschen einlassen, immer neugierig bleiben und auf sie zugehen können“, sagt er. Dies sei ebenso wichtig wie Toleranz. Erst dann folgen seiner Meinung nach Fachkenntnisse. Nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Persönlichkeiten formen und prägen, das ist sein Wunsch. Seine Motivation findet Kockhans im Wachstum seiner Schüler, in den Fortschritten jedes Einzelnen, wenn er sieht, dass Entwicklung stattfindet. „Das Schöne ist, dass der Prozess nie abgeschlossen ist und es noch viel zu lernen und zu entdecken gibt“, sagt er mit einem Lächeln.